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Vorwort

Jungfrau Region Tourismus AG
Kammistrasse 13
CH - 3800   Interlaken
+41 33 521 43 40
jungfrauregion.swiss
tourismus@jungfrauregion.swiss


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NACH ZWEI AUSNAHMEJAHREN BLICKEN WIR WIEDER POSITIV IN DIE ZUKUNFT

Der «TourismObserver» – das Magazin für «boundless tourism» – im Gespräch mit der Geschäftsleitung und dem VR-Präsidenten der Jungfrau Region Tourismus AG.

TourismObserver: Wir haben zwei Ausnahmejahre hinter uns. Hat sich im Tourismus etwas grundlegend verändert?

Peter Egger (VR-Präsident): Offen gesagt, glaube ich das nicht. Wir werden wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückfinden. Ja, schwierige Zeiten liegen hinter uns. Aber wir haben auch während der Pandemie eine glasklare Strategie verfolgt. Es galt, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern mit kreativen Lösungen die Pandemie zu meistern – und möglichst auf Sparmassnahmen zu verzichten. Diese sind in Krisenzeiten keine Lösung, denn reduzierte Ausgaben schaden der Wettbewerbsfähigkeit, was die Probleme weiter verschärft. Dank der Unterstützung durch den Kanton war es der JRT möglich, antizyklisch die Marketingaktivitäten auf dem Volumen der Vorjahre zu halten. Im Bereich der Angebotserstellung waren jedoch einige Abstriche nötig.

Aktuell ist das Bild noch etwas durchzogen: Die fünf Resorts der Jungfrau Region erholen sich in ihrem eigenen Tempo. Unter den Schweizer Bergdestinationen gab es vereinzelte Gewinner, in der Mehrzahl jedoch Verlierer. In der Jungfrau Region hat sich die Zusammensetzung der Gäste in diesen beiden Jahren stark verändert. Sie wurde vor allem durch die verschiedenen Reisebeschränkungen respektive -öffnungen gesteuert. Wir gehen davon aus, dass diejenigen Märkte, welche ihre Reisebeschränkungen aufgehoben haben, sich wieder auf dem Vor-Pandemie-Niveau einpegeln werden. Unsere Sorgenkinder sind noch immer gewisse Fernmärkte wie zum Beispiel China.

Marc Ungerer (Geschäftsführer): Wie wir alle wissen, waren bestimmte Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit einem Katalysatoreffekt ausgesetzt. Diese Themen werden uns auch in Zukunft verstärkt beschäftigen. Schweiz Tourismus hat das Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable ins Leben gerufen, mit dem Thema Nachhaltigkeit sogar die fünfte Revolution ausgerufen. Das mag auf den ersten Blick etwas marktschreierisch wirken, hat aber sicher seine Berechtigung. Wir stehen vor der Aufgabe, einen legitimen Weg zu finden, unsere Marketingmittel im Sinne der Nachhaltigkeit einzusetzen.

TourismObserver: Wie haben die Resorts die beiden Ausnahmejahre erlebt? Wie sieht die künftige Entwicklung aus?

Rachel Arkin (Resort Director Mürren): Wir erholen wir uns nur langsam, noch fehlen viele Nah- und Fernmärkte. Im Zuge starker Ausgabenbeschränkungen, Kostenreduzierungen und nicht zuletzt dank der Härtefallentschädigung konnte der Verlust im abgelaufenen Jahr zum Glück in Grenzen gehalten werden. Da unsere eigenen Mittel noch stark eingeschränkt sind, ist es für uns wichtig, dass die Marketingmittel der JRT möglichst zielgerichtet auf den für uns in Mürren besonders wichtigen Märkten eingesetzt werden. Wir brauchen dringend wieder die Gäste, welche uns in den beiden letzten Jahren gefehlt haben. Allein mit den Gästen aus der Schweiz werden wir unsere Infrastruktur nicht auslasten können. Genauso wichtig ist für uns der kontinuierliche, stabile Support von den zentralen Diensten, so wie wir ihn auch in der Vergangenheit erhalten haben.

Simon Zobrist (Resort Director Haslital): Angesichts der Tatsache, dass die meisten Bergdestinationen mit einer ausgeprägten internationalen Gästestruktur enorm gelitten haben, blieb dem Haslital dank Verkettung verschiedener günstiger Rahmenbedingungen dieses Schicksal erspart  Das Haslital verzeichnete nämlich im Geschäftsjahr 2021 so viele Logiernächte wie letztmalig vor 10 Jahren. Hauptursächlich sind die Explosion der Nachfrage in der Parahotellerie und die Eröffnung des Swisspeak Resorts Meiringen 2020 die Schlüsselfaktoren für das gute Ergebnis. Die vielen attraktiven Angebote haben offenbar genau den Geschmack der Schweizer*innen getroffen. Da wir geographisch und aufgrund unserer auf die Schweiz und das nahe Europa ausgerichteten Gästestruktur eine besondere Stellung innerhalb der Jungfrau Region einnehmen, ist es mir besonders wichtig, dass unsere Alleinstellungsmerkmale in der Destinationsvermarktung berücksichtigt werden und die gemeinsamen Marketingmittel der JRT auch künftig verantwortungsvoll im Interesse aller Aktionäre verwendet werden.

Thomas Durrer (Resort Director Lauterbrunnen): Wir sind uns am Erholen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir 2021 im zweistelligen Bereich zulegen. Und dies – mit Ausnahme der Gruppenunterkünfte – bei allen Beherbergungsformen. Überproportional positiv fiel, wie anderswo auch, der Zuwachs bei den Campingplätzen aus. Diese verzeichneten ein Plus von über 55 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr sind wir in besonderem Masse darauf angewiesen, dass wir mit den Vermarktungsmitteln der Jungfrau Region die internationalen Gäste wieder ins Lauterbrunnental holen können. Parallel möchten wir – aus Risikoüberlegungen –  die neu gewonnenen Schweizer Gäste nicht wieder vollständig verlieren. Mit dem richtigen Anreiz hoffen wir, diese auch in Zukunft wieder bei uns begrüssen zu können.

Rolf Wegmüller (Resort Director Wengen): Die Absage der Lauberhornrennen hat uns, als gerade auch im Ausland stark profilierten Winterort, voll erwischt. Die Logiernächste in der Wintersaison sanken deshalb in noch nie gekanntem Ausmass. Im Sommer, in welchem wir vor der Pandemie traditionell immer einen relativ geringen Anteil an Schweizer Gästen hatten, fanden im Geschäftsjahr 2021 erfreulicherweise nicht nur wieder die internationalen Gäste zurück nach Wengen, sondern blieb auch der Anteil der Schweizer Gäste mit 67 Prozent sehr hoch. Die JRT hat den Schwerpunkt auf die digitale Weiterentwicklung der Destination gelegt. Das ist richtig so. Aus Sicht der Destination und den Resorts können wir hier – gerade auch im Vergleich mit anderen Orten – den grössten Mehrwert herausholen.

Bruno Hauswirth (Resort Director Grindelwald):
Es war ein harziger Start ins 2021: geschlossene Restaurants, Reiseauflagen für ausländische Gäste, coronabedingte Diskussionen über die drohende Schliessung von Wintersportgebieten, Terrassen oder Hotels. In Grindelwald genoss bei allem Tun der gesundheitliche Schutz von Gästen, Mitarbeitenden und Einheimischen Vorrang – gleichzeitig wurde ökonomisch das Bestmögliche aus der Situation gemacht. Die entsprechende Zusammenarbeit und Kooperation der Leistungsträger bestehend aus Bergbahnen, Hotellerie, Parahotellerie, den Behörden sowie dem Handel und Gewerbe um die nötigen Massnahmen umzusetzen, war beispiellos. Dass Grindelwald diese Situation verhältnismässig gut überstanden hat, verdanken wir nicht zuletzt auch der Weitsicht der Gemeinde-, Kantons- und Bundesbehörden – denn im Gegensatz zu unseren ausländischen Mitbewerbern konnten wir trotz Pandemie, begreiflicherweise eingeschränkt aufgrund der Restriktionen, auch 2021 touristische Dienstleistungen erbringen. Die im Nachhinein nachweisbar besonnene Pandemie-Politik und der starke Einsatz zugunsten des Tourismus im Allgemeinen verdienen Respekt und Dank. Trotz aller Widrigkeiten darf erwähnt sein, dass sich Grindelwald einmal mehr als nächtigungsstärkster Tourismusort im Kanton Bern etablieren konnte. Substanziellen Einfluss hatte diesbezüglich die V-Bahn. Diese erfreut sich grosser Beliebtheit und hat einen positiven Einfluss auf die Nachfrageentwicklung in Grindelwald sowie in der gesamten Jungfrau Region.

TourismObserver: Und wie blicken der VR-Präsident und der Geschäftsführer in die Zukunft, wo setzen sie den Hebel an?

Peter Egger: Wir leben das Mehrmarkensystem. Im Wissen, dass noch Potential zur Weiterentwicklung besteht. Ein gutes Produkt ist heute wichtiger denn je. Das Marketing ist vielseitiger und komplexer geworden. Jede und jeder kann mit vergleichsweise wenig Mitteln eine grosse Reichweite erzeugen, muss dafür aber ein feines Gespür für den Zeitgeist haben. Mit der richtigen Taktik und einem innovativem Marketing-Mix kann die richtige Zielgruppe direkt, effizient und nachhaltig erreicht werden.
In den ersten Jahren der Destinationsgründung haben wir den gemeinsamen Co-Brand ins Zentrum der Vermarktung gestellt. Nun möchte der Verwaltungsrat sehen, dass die fünf Ortsmarken vom Zusammenschluss noch stärker profitieren.

TourismObserver: Wie soll das konkret umgesetzt werden? Die JRT hat schliesslich nur ein Budget und nicht deren fünf.

Marc Ungerer: Die fünf Ortsvereine sind sehr eigenständig unterwegs. So «kassieren» sie beispielsweise die Kurtaxen direkt ein und sind für die Infrastruktur vor Ort selbst verantwortlich. Und bei den Marketingmitteln hatten wir im Gegensatz zu anderen Destinationen mit mehreren Marken schon immer einen sogenannten finanziellen «Rücklauf» ins Ortsmarketing der fünf Ortsvereine. Dies ermöglichte einen gewissen Spielraum in der Gästebetreuung vor Ort. Letztlich wird uns aber in unserem «House of Brands» schon auch die Kardinalfrage beschäftigen, wie wir unsere Vermarktung weiterentwickeln, damit die fünf Ortsmarken durch den Zusammenschluss nicht nur von Synergien im Bereich der Shared Services profitieren, sondern auch bei der Vermarktung durch die Destination.

Peter Egger: Wir wissen natürlich, dass sich die fünf Ortsmarken gegenseitig in der Vermarktung beeinflussen. Da entstehen positive, vielleicht auch einmal negative Effekte – und dies in unterschiedlicher Intensität auf den verschiedenen Märkten. Es ist nun die Aufgabe der Destinationsvermarktung verlässlich zu identifizieren, welche Aktivitäten einen positiven Einfluss im gemeinsamen Auftritt der Jungfrau Region und ihrer fünf Ortsmarken entfalten.

Marc Ungerer: Neben den starken Ortsmarken leben wir auch von der ergänzenden Vermarktung weiterer Akteure in der Destination wie zum Beispiel der Bergbahnen – und nicht zuletzt von der «Pole Position», welche Schweiz Tourismus in der internationalen Vermarktung unter den nationalen Tourismusorganisationen einnimmt. So zeigt der «Nation Brand Index» Jahr für Jahr auf, wie positiv die Schweiz in anderen Ländern – unter anderem aufgrund ihrer touristischen Attraktivität – wahrgenommen wird. Ziel muss es sein, dass wir alle diese positiven Vermarktungseffekte in unserer Destinationsvermarktung berücksichtigen.


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